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Simson
Tuesday, August 17th, 2010Wer sich als Jugendlicher ein günstiges Moped kaufen wollte, fand oft in der Marke Simson eine geeignete Wahl. Die Simson Fahrzeug- und Jagdwaffenwerke in Suhl gehören zu den traditionsreichsten Firmen der Zweiradproduktion in Europa. Sie wurden 1886 von den Brüdern Simson als Fabrik für Jagd- und Sportwaffen gegründet. Parallel fand mit der Fahrradfertigung der Einstieg in den Fahrzeugbau statt. 1912 folgte mit dem Simson A das erste Kraftfahrzeug, später fuhr dann der Simson-Supra A Rennerfolge bei der Rallye Monte Carlo ein. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten erfolgte die Enteignung der jüdischen Brüder Simson. Fortan wurden in Suhl nur noch Kriegswaffen hergestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen große Teile des Werkes als Reparationszahlung in die Sowjetunion. 1948 begann auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration die Produktion der legendäre AWO 425. Zum 1. Mai 1952 wurde der VEB Fahrzeug- und Gerätewerk Suhl mit dem Produktionsschwerpunkt Moped und Kleinroller gegründet. Der Bau der AWO musste in der sozialistischen Planwirtschaft eingestellt werden und ging in das Motorradwerk nach Zschopau (MZ). Zunächst wurden in den 1950er und Anfang der 1960er Jahre die dem Fahrrad sehr ähnlichen Mopeds SR1 und SR2 gebaut.
Im Jahr 1964 begann in Suhl mit dem Bau der sogenannten Vogelserie eine neue Ära. Der Spatz trug zunächst die Bezeichnung Moped (Motorisiertes Fahrzeug mit Pedalen) noch zurecht, später wurde auf Fußrasten und Kickstarter (Mokick) umgestellt. Der Star war dann ein Moped für zwei Personen. Es folgten noch der Habicht und mit dem KR 50 und der Schwalbe auch zwei Kleinroller. Alle Fahrzeuge wurden von einem 50-cm³-Zweitaktmotor angetrieben, erreichten eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h und durften mit dem Mopedschein mit 15 Jahren gefahren werden. Das Leichtkraftrad Sperber mit 70-cm³-Motor und ein Mofa haben nie die großen Stückzahlen der anderen Produkte erreicht. 1975 kam dann der nächste Generationswechsel. Die Vogelserie wurde vom S50, später dann vom S51 mit elektronischer Zündanlage abgelöst. Der Kleinroller SR51 war 1986 Nachfolger der Schwalbe. Das sind Fahrzeuge, die sich auch fast 20 Jahre nach Produktionsende einer ungebrochenen Beliebtheit vor allem bei Jugendlichen erfreuen. Insgesamt stellten die Suhler zwischen 1955 und der politischen Wende 1990 über 5 Millionen Kleinkrafträder herg. Nach 1990 wurden die Moped-Baureihen noch einmal modernisiert und mit dem Elektroauto Hotzenblitz EL-Sport sollte sogar der Wiedereinstieg in den Pkw-Bau erfolgen. Doch alle Schritte halfen nichts, am 28. Juni 2002 ging das traditionsreiche Werk in die Insolvenz. Die MZA Meyer-Zweiradtechnik Ahnatal GmbH übernahm die noch vorhandene Lagerbestände und sicherte sich eine ganze Reihe von Namens- und Urheberrechten. MZA hat die weitere Ersatzteilversorgung für die vielen immer noch auf unseren Straßen fahrenden Simson-Kleinkrafträder übernommen.